Motivations-Vorträge/Workshops

Das Feedback ist äußerst positiv: die ersten Vorträge und Workshops zum Thema Motivation habe ich bereits gehalten. Bei Firmen und Vereinen, in Shops und auf Messen, hier auf der Münchner Freizeit – und Reisemesse f.re.e:

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In dem Vortrag geht es einerseits um mein Projekt „Marathonmalzehn“, andererseits generell um die Realisierung ambitionierter Ziele: Motivation, Wille, Disziplin, Flexibiltät, Zeit-Management, Umgang mit Emotionen, Verhältnis von Belastung und Entspannung, Zusammenspiel von Geist und Körper und Vieles mehr.

Ich freue mich bereits auf die nächsten Workshops. Bei Interesse mailt mir bitte:

Bernd@Gutknecht.de

Auf der Couch

Schon lustig: 2015 habe ich ein Buch geschrieben „Vom Couch Potato zum Triathleten“. Jetzt bin ich den Weg zurückgegangen und wieder auf der Couch gelandet. Genauer gesagt auf der „Blauen Couch“ von BAYERN 1, einer der erfolgreichsten Radiosendungen in Deutschland. Hier der link zum Nachhören des Interviews mit Gabi Fischer:

Blaue Couch, BAYERN 1

Blaue Couch

Ich freue mich auch sehr über das Interesse vieler Vereine, Verbände, Veranstalter und Firmen an meinem Projekt „Marathonmalzehn“. Inzwischen habe ich die ersten Motivationsvorträge und Workshops gehalten. Dabei geht`s um Zielsetzung und Realisierung, Zeitmanagement, Belastung und Entspannung, Energiehaushalt, Ernährung, Problem-Management, Umgang mit Emotionen etc. Alles Themen, die im Sport, aber auch generell für ein gesundes Leben oder einen erfüllten Job relevant sind. Bei Interesse könnt ihr mir gerne mailen an:

Bernd@Gutknecht.de

 

 

TV, Radio, Podcast, Video, Zeitung

Abendschau 1

Große Ehre! Roman Röll hat mich in die Abendschau des BR Fernsehens eingeladen. Hier geht`s zur Mediathek:

https://www.br.de/mediathek/video/zu-gast-im-studio-marathon-mann-bernd-uwe-gutknecht-av:5d9f5e17a0f0ad001a33ff5d

Das komplette Video der 10 (einhalb) Marathons findet ihr hier:

Der große Schlussbericht lief als „Nahaufnahme“ in Bayern 2. Hier geht`s zum podcast:

https://www.br.de/mediathek/podcast/radioreportage/marathon-mal-zehn-extremsport-im-selbstversuch/1787729

„Bekloppt?!“ – eine ganze Seite 3 in meiner Heimatzeitung Donaukurier:

DK

Hier zum Nachlesen:

https://www.donaukurier.de/nachrichten/panorama/Bekloppt-Na-klar;art154670,4353626

Außerdem freue ich mich, bald Gast auf der „Blauen Couch“ von BAYERN 1 zu sein.

 

Geschafft! 10-10-10

Als ich im Oktober 2018 an der Startlinie des München Marathons stand, habe ich über mich selbst gelacht. Es sollte der Startschuss zu meinem Projekt Marathonmalzehn sein. 10 Marathons in 10 Monaten in 10 verschiedenen Sportarten! Da ich selbst nicht glaubte, es schaffen zu können, habe ich praktisch niemandem davon erzählt. Diesen Blog habe ich zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschrieben. Kann mein Körper das, kann mein Kopf das? Kann das gutgehen oder breche ich irgendwann ab, weil ich nicht mehr kann, nicht mehr will? Den Marathon lief ich irgendwie nach Hause. Und schwieg weiter, auch bei den folgenden Winter-Marathons. Erst als ich die Hälfte der 10 anvisierten Marathons geschafft hatte, begann ich davon zu erzählen.

Die ersten Reaktionen waren skeptisch bis kritisch: „Was willst du dir beweisen?“, „Steckst du in der Midlife crisis?“, „Ist dir langweilig?“ waren oft gehörte Fragen. „Bist du verrückt?“. Ist man verrückt, wenn man seine körperlichen Grenzen verrückt? „Das ist doch Wahnsinn!“. Macht mein Marathon-Wahn Sinn? Habe ich mich natürlich selbst oft genug gefragt. Der Sinn lag darin, dass ich einen lang gehegten Traum in Angriff nahm. Mehr als schiefgehen konnte es ja nicht. Auch mein Hausarzt, obwohl Sportmediziner, riet mir davon ab.

Gott sei Dank ist alles gut gegangen.  Das wohl sportlich aufregendste Jahr meines Lebens liegt hinter mir. Voller Emotionen: Freude, Angst, Bedenken, Euphorie, Sorgen, Druck, Selbstzweifel, Glück, Demut, Dankbarkeit. Danke auch an euch, dass ihr mich auf dieser Reise ein wenig begleitet habt! Hier nochmals die Marathons, die ich absolviert habe. Letztlich waren es wegen eines Gewitter-Abbruchs zehneinhalb Marathons in zehneinhalb Monaten. Die Details findet ihr beim Runter-Scrollen:

  1. München Marathon, Laufen, 42 KM
  2. Dolomitenlauf, Langlaufen Skating, 42 KM
  3. Alternative 11-Städte-Tour Weissensee, Eislaufen, 100 KM
  4. Ganghoferlauf, Langlaufen Klassisch, 50 KM
  5. Rottaler Marathon, Nordic Walking, 42 KM
  6. MTB-Festival Achensee, MTB, 45 KM
  7. Bodensee Kanu-Marathon, 42 KM
  8. Mozart-Lauf, Trailrun, 42 KM
  9. 24 Stunden von Kelheim, Rennrad, 311 KM
  10. Hallstättersee-Schwimmen, wegen Gewitter von 10 auf 4,2 KM verkürzt
  11. Fränkische Schweiz-Marathon, Inline Skating, 42 KM

Da der Schwimmmarathon unvollständig war, habe ich den Inline-Marathon nachgeschoben. Ich hatte mich sowieso auf 11 Sportarten vorbereitet, um eben im Falle einer Verletzung, Krankheit, Absage o.Ä. quasi einen Joker zu haben.

Würde ich empfehlen, das Projekt nachzuahmen? Ohne Anwalt sicher nicht…aber ich möchte jeden dazu ermutigen, verschiedene Sportarten auszuprobieren und ganzjährig Sport zu treiben. Muss ja nicht gleich ein Marathon sein. Der Trainingsaufwand entsprach etwa dem, was ein Hobbysportler rechnen muss, wenn er einen Langdistanz-Triathlon machen will: auf`s Jahr verteilt rund 12 Wochenstunden. Im Einzelnen waren das bei mir (von August 2018 bis August 2019, inkl. der Wettkämpfe)

Schwimmen:  149 h, 53 KM

Rad (Rennrad, MTB): 164 h, 3735 KM

Laufen (Straße, Trail, NW): 119 h, 1049 KM

Langlaufen (Klassisch und Skating): 35 h, 374 KM

Eislaufen: 15 h, 270 KM

Kajak: 21 h, 138 KM

Inline Skating: 13 h, 204 KM

allgemeine Athletik (inkl. Indoor-Training wie Rudern, Stepper, Cycling): 167 h

Das Trainings-Fazit: auch mit relativ wenigen spezifischen Trainingsstunden und so gut wie keinen technischen Vorkenntnissen kann man einen Marathon schaffen, wie z.B. Eislaufen oder Kajaking. Andererseits war ich überrascht, wie wenig die Ausdauer in einer Sportart, etwa dem Langlaufen in der Skating-Technik, dann bei einer verwandten Disziplin, also dem Langlaufen Klassisch bringt. Minimale Bewegungs-Unterschiede erfordern ganz eigene Trainings-Schwerpunkte. So habe ich für das Klassische Langlaufen den Doppelstock-Einsatz mit Zugseilen im Fitnessstudio simuliert. Wer glaubt, als guter Läufer auch schnell Nordic Walken zu können, irrt. Und Schwimmen im Becken hat mit Freiwasserschwimmen bei Wellengang nicht wirklich viel gemeinsam.

Die Experten werden über diese Erkenntnisse schmunzeln. Für einen Quer-Einsteiger war das aber sehr interessant und spannend zu lernen. Und das war eines der positiven feedbacks, die ich über die Monate hinweg bekam: „Respekt, dass du so ausdauernd deine comfort zone verlassen hast!“.

Hier nochmals Fotos der zehn(einhalb) Marathons:

Mozart 4Kelheim 21 neuHallstatt 1Inline 3 Andreas Klupp

Bald folgen ein Video, eine längere Radio-Reportage, ein TV-Auftritt und vielleicht auch ein Buch zu Marathonmalzehn…

Marathon Nr. 11: Inline Skating (Fränkische Schweiz-Marathon, Ebermannstadt, 01.09.2019, 42 KM)

Inline 2 SW Andreas Klupp
copyright: Andreas Klupp

Job erledigt! Der 11. Marathon – wegen des verkürzten Schwimm-Marathons s.u. der 10. komplette Marathon – war der kürzeste und auch leichteste. Obwohl ich kein routinierter Inliner bin, irgendwie rollt`s ganz gut dahin, wenn man einen quasi fehlerfreien Untergrund wie beim FS-Marathon rund um Ebermannstadt in Oberfranken zur Verfügung hat. Die Bundesstraße wird komplett für die Sportler gesperrt, der Asphalt ist wie eine Profi-Skatebahn. Gratulation ans zuständige Straßenbauamt…

Inline 3 Andreas Klupp
copyright: Andreas Klupp

Mit meinen etwa 15 Jahre alten Fitness-Skates war ich als Oldtimer unterwegs, die Inliner von heute haben drei statt vier Rollen unter`m Schuh. Weniger Rollwiderstand, mehr Tempo! Von guten Läufern hatte ich mir vorab noch Technik-Tipps geholt: der Druck sollte auf den hinteren Teil der Skates erfolgen und nach außen. Dann den Oberkörper einigermaßen windschnittig nach vorne neigen und im Idealfall im Windschatten mitrollen. Das wäre allerdings aufgrund meiner mangelnden Fahr-Sicherheit gefährlich gewesen – vor allem für die Anderen. Deswegen entschied ich mich, alleine im Fahrtwind zu laufen. Die Zeit war ja egal, das Ziel war wie immer das Ziel.

Inline 1 - Alfred Weiß
copyright: Alfred Weiß

Gut geschützt war ich, gebraucht habe ich all die Schoner Gott sei Dank nicht. Nach 2 Stunden 15 kam ich sturzfrei ins Ziel. Unterwegs hatte ich Gelegenheit, den Speedskatern zuzuschauen, beeindruckend, wie sie ihr Sportgerät beherrschen und mit über 40 km/h über den Asphalt rauschen! Erstaunlich auch, dass die Schnellsten des zeitgleich ausgetragenen Lauf-Marathons in Laufschuhen fast so schnell waren wie wir langsameren Skater. Wie bei den anderen Marathons zuvor habe ich es wieder sehr genossen, Hobbyathleten einer neuen Sportart kennenzulernen. Wie sie trainieren, wie sie taktieren, wie sie ticken. Leider war dieser Inline-Marathon die letzte Ausgabe in der Fränkischen Schweiz. Aber auch für Läufer ist der Panorama-Marathon auf Asphalt ein lohnenswerter Wettkampf.

So ganz kapiert habe ich es noch nicht: Ich habe etwas geschafft, woran ich selbst vorher nicht wirklich geglaubt hatte: 10 Marathons in 10 Monaten in 10 verschiedenen Sportarten. Da war auch viel Glück dabei, keine Verletzungen, keine Krankheiten, keine Beeinträchtigungen im Job etc. An dieser Stelle möchte ich mich bei Allen bedanken, die mich diesen sportlichen Traum verwirklichen ließen. Er war über Jahre entstanden und irgendwann war der Punkt da, wo ich nicht mehr davon träumen, sondern es machen wollte. Es hat sich in allen Belangen gelohnt. 10 sportliche Herausforderungen, 10 schöne Outdoor-Regionen (inkl. dem Englischen Garten beim München-Marathon…), 10 bestens organisierte Wettkämpfe. Dazu die Gewissheit, etwas schaffen zu können, wenn man es wirklich will und man sich die Zeit dafür nimmt. Dieses zurückliegende Jahr war wie ein Leben im Olympischen Dorf. Natürlich ein Luxus, einen Großteil seiner Zeit für das verwenden zu können, was man gerne tut.

Ganz ehrlich bin ich jetzt aber auch reif für einen Faulenzer-Urlaub, ohne Trainings-und Wettkampf-Plan. Darauf freue ich mich, ebenso wie auf ein paar Auftritte als Interview-Gast in „Funk und Fernsehen“.  Dazu bald mehr hier, jetzt aber erstmal ab an den Strand…

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Marathon Nr. 10: Freiwasserschwimmen (Hallstättersee, 03.08.2019, auf 4,2 KM verkürzt wegen Gewitter)

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Es ist ein Kult-Wettkampf für Freiwasserschwimmer: der Hallstättersee Schwimmmarathon über 10 KM. Seit einem Jahrzehnt Treffpunkt vieler Schwimm-Abenteurer aus aller Welt! 130 Schwimmer waren gemeldet, um diese krasse Distanz im 17 Grad frischen klaren Wasser des Gebirgssees in Angriff zu nehmen. An manchen Stellen hat der See nur 13-14 Grad, wo eiskalte Bergbäche von den hohen Lagen des Dachsteins in den See stürzen. Die Kulisse ist so traumhaft, dass sie in China originalgetreu nachgebaut wurde. Die Folge: Hallstatt, das Original, ist einer der von asiatischen Touristen meist besuchten Orte weltweit. Täglich strömen 10.000 Besucher durch die engen Gassen der idyllischen Gemeinde. Viele kommen extra zum Heiraten her.

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Sachertorte und Palatschinken werden in den Cafés auf chinesisch angeboten. Überall chinesische Schilder, auf denen die Urlauber gebeten werden, die Dorfbewohner nicht als Museumsstücke zu behandeln und zum Fotografieren nicht in Privathäuser zu marschieren. Skurril, aber irgendwie ganz witzig…

Einmal im Jahr übernehmen allerdings die Schwimmer die Szenerie. Und da wollte ich im Rahmen meines Marathon-Projekts dabei sein. Trainingseinheiten von bis zu 7,5 KM sollten mich fit machen. Am Tag vor dem Wettkampf kamen mir dann doch leichte Bedenken, da der See innerhalb weniger Tage von 22 auf unter 17 Grad abgekühlt war.  Trotz Neoprenanzug hatte ich Sorge, mit der Muskulatur oder auch der Atmung bei zu erwartenden 3,5 Stunden Schwimmzeit Probleme zu bekommen.

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Dann der Renntag: morgens um 8 Uhr fuhr ich zum Start in Untersee am Nordufer. Um am Startgelände von einem freundlichen Helfer zum Umdrehen aufgefordert zu werden: zurück nach Obertraun am Südufer! Der Grund: wegen einer Gewitterwarnung sei die Strecke geändert und leicht verkürzt worden, auf 9 KM. Ok, U-Turn und ans andere Ende des Sees gefahren. Angekommen am eigentlichen Zielgelände, das jetzt auch Startgelände war, höre ich schon von weitem die Durchsage: „aufgrund der Gewitterwarnung muss der Schwimmmarathon auf 4,2 KM verkürzt werden!“

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Der nette Event-Moderator musste dann ein bisschen Zeit überbrücken, bis alle Teilnehmer von der Planänderung gehört und den Umweg zum Start geschafft hatten. Da haben wir von Moderator zu Moderator ein wenig geplaudert, ich durfte von meinem Projekt Marathonmalzehn erzählen. Außerdem habe ich mich bei den anwesenden Freiwasser-Profis erkundigt, ab welcher Distanz man offiziell von einem Marathon sprechen kann. Gelten 4,2 KM überhaupt noch für meine Serie? Eine verbindliche Antwort habe ich nicht bekommen. Die Hardliner sagen, 10 KM müssten es schon sein. Die Triathleten meinen, dass die Ironman-Distanz von 3,8 KM gelten müsste. Bei den Olympischen Spielen stehen 10 und 25 KM auf dem Programm. Andere Veranstalter nennen auch 4 oder 5 KM einen Schwimm-Marathon. Klar definiert ist es also nicht. Wie auch immer: irgendwann dann der Startschuss:

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Wenn man sich auf 10 KM Schwimmen einstellt und dann „nur“ gute 4 KM schwimmen muss, ist das natürlich relativ easy. 1 Stunde 19 habe ich gebraucht.

Nun ist etwas eingetreten, was bei Outdoor-Sport immer passieren kann. Aufgrund der Wetterbedingungen wird ein Wettkampf verkürzt oder gar abgesagt. Deshalb habe ich mich von Beginn an auf 11 Sportarten vorbereitet und auch bei 11 Marathons angemeldet. Ich musste ja auch damit rechnen, mal krank oder verletzt zu sein. Bedeutet also, dass ich in vier Wochen Marathon Nr. 11 angehe: 42 KM Inline Skating im Rahmen des Fränkische Schweiz-Marathons.

Ach ja: zwei Stunden, nachdem der letzte Schwimmer aus dem Wasser war, kam das angekündigte heftige Gewitter. Donner, Blitz, Starkregen, das wäre für uns im Wasser richtig gefährlich geworden. Also hat der Veranstalter Bernhard Höll alles richtig gemacht, die Gesundheit der Sportler muss immer vorgehen!

Nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, übernahmen dann die Urlauber aus Fernost wieder das Geschehen:

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Marathon Nr. 9: Rennrad (24 Stunden von Kelheim, 13./14.07.2019, 213 KM + 98 KM)

Erst hat es geregnet:

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copyright alle Fotos 24h: Sportograf

Dann hat es stark geregnet:

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Und dann war es dunkel:

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Von den Bedingungen her war das einer der härtesten Marathons meiner Serie. Stundenlang heftige Schauer, dann das ungewohnte Rennradfahren in der Nacht. Und dazu die mentale Herausforderung, eine 16,3 KM lange Runde immer und immer wieder zu radeln.

Das 24 Stunden-Rennen im niederbayerischen Kelheim hat aber soviel Kult-Charakter, dass einem die Belastung (fast) nichts ausmacht. Etwa 1500 Teilnehmer – Team-und Einzelstarter – waren dabei. Das Ziel: zwischen Startschuss am Samstag um 14 Uhr und Zielschluss am Sonntag um 14 Uhr so viele Runden, also so viele Kilometer wie möglich zu schaffen.

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Wie man sich diese 24 Stunden einteilt, ist jedem selbst überlassen. Die ganz Tapferen radeln komplett durch, ohne eine Minute Schlaf, lassen sich unterwegs von ihren Betreuern mit Essen, Getränken, ggf. Pannenservice oder auch mal einer Massage versorgen. So kommen die Besten auf über 700 KM!

Im Vergleich dazu war mein Vorhaben Schnullibulli: laut Definition des BDR kann man ab 200 KM von einem Radmarathon sprechen. Also habe ich 13 Runden am Stück zurückgelegt, kam auf 213 KM und habe somit mein Soll erfüllt. Dann ab in die Koje, ein paar Stunden gepennt, und morgens noch einmal aufs Bike. Nach der Pflicht kam die Kür, knappe 100 KM, und endlich bei Sonnenschein:

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Insgesamt habe ich also 311 KM mit 3500 Höhenmetern absolviert. Und dabei aufgrund des Regens insgesamt vier Garnituren Radklamotten und Radschuhe verschlissen. Außerdem riss mir relativ früh ein Schaltkabel, so dass ich mein Ersatz-Rad aus dem Kofferraum holen und präparieren musste. Gut, dass ich mein 25 Jahre altes Centurion dabei hatte.

Eine der Besonderheiten beim 24 h-race in Kelheim: zum Abschluss jeder Runde, die an der malerisch gelegenen Befreiungshalle vorbeiführt, fährt man über den zentralen Ludwigsplatz in der Altstadt. Dort lässt man sich auf den paar Hundert Metern vom Kopfsteinpflaster durchrütteln und bei der Durchfahrt durch das Bierzelt von Hunderten Menschen anfeuern. Die Zuschauer sitzen da bei Leberkäs und Weißbier und beklatschen jeden Einzelnen. Eine einmalige Stimmung!

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Entlang der gesamten Strecke feiern Einheimische, Besucher, Helfer und Betreuer die Radfahrer. Ein Stimmungsnest reiht sich ans andere. Da wird getrommelt, geschunkelt, DJ`s machen einen Höllenlärm – und das die ganze Nacht hindurch! Die meisten Starter haben ihre Fahrerlager, also Wohnwagen, Wohnmobil oder einfach nur ein Zelt und eine Isomatte, an der Strecke aufgebaut. Die größeren Teams haben aber ganze Küchen dabei und bereiten ihren Teilnehmern Pasta und Co. zu. Ein richtiges Rennrad-Volksfest!

Bei all der Partystimmung könnte man glatt die sportlichen Extremleistungen vergessen, die vor allem die Einzelstarter abliefern. Aber spätestens wenn die letzten Minuten laufen und die Radler zum letzten Mal in Richtung Altstadt einbiegen, kommt sich jeder wie ein Etappensieger bei der Tour de France vor. Die Schlussmeter durch das Bierzelt, begleitet von fetten DJ-Beats und den euphorischen Moderatoren sind für jeden eine Triumphfahrt:

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Ich hab den Applaus natürlich gerne mitgenommen, aber in aller Bescheidenheit. Denn die wahren Helden der 24 Stunden von Kelheim waren Andere. Happy bin ich aber genauso und ein bisschen stolz auch, dass ich trotz Radpanne und Wechsel auf mein Uralt-Bike, trotz technischer Probleme mit der obligatorischen Beleuchtung, trotz des Regens und trotz krassem Muskelkater am zweiten Tag durchgehalten habe.

Ein Riesen-Spektakel mit garantierter 24 Stunden-Gänsehaut! Zudem ist Kelheim ein echtes Kleinod, wo man auch ganz ohne Marathon-Ambitionen ein paar schöne Urlaubstage verbringen kann.

Marathon Nr. 9 ist somit Geschichte. Die Nr. 10 steht vor der Tür.

 

 

 

Endspurt

10 Marathons, 10 Monate, 10 Sportarten. Nach meiner Nummer 8 bin ich jetzt auf der Ziellinie. Und wie bei jedem einzelnen Marathon wird`s auch am Ende der ganzen Aktion zäh. So lange die Motivation und die Disziplin aufrechtzuerhalten ist schon heftig. Ganz gut, dass ich mich in den vergangenen beiden Wochen mal auf andere Sportler konzentrieren konnte und nicht immer auf jede einzelne Faser am eigenen Körper…

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Als Moderator beim Challenge Roth hatte ich die Ehre und das Vergnügen, die Sieger des Rennens zu interviewen. Andreas Dreitz, den ersten Franken, der den Klassiker in Mittelfranken gewinnen konnte. Und:

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Lucy Charles-Barkley, Champion aus Großbritannien. Tausende motivierte und euphorisierte Athleten durfte ich am Race day den Solarer Berg hoch-pushen. Wie zuvor beim Chiemsee-Triathlon habe ich viel Energie für mein eigenes Projekt daraus gezogen.

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Mit Weltmeister Daniel Unger, Rennleiter Tom Mayerhofer und den vielen tollen Sportlern! Es ist einfach großartig, in dieser Ausdauersport-Familie dabei zu sein. Egal ob als Moderator, Reporter oder eben Athlet. Und durch meine Marathon-Aktion darf ich diese Saison in ganz neue „Sportfamilien“ reinschnuppern. Nächstes Wochenende in die der 24-Stunden-Rennradler und dann in die der Freiwasser-Schwimmer. 10 KM werde ich am Hallstättersee in Angriff nehmen. Beim Trainingspensum bin ich gerade bei KM 7 angelangt:

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Jeder See, an dem ich vorbeikomme, wird genutzt.

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Ganz interessante Erfahrung bei den Triathlons: selbst die Profis und schnellen Age grouper, mit denen ich über Marathonmalzehn ins Gespräch kam, schüttelten den Kopf. So etwas würden sie sich niemals zutrauen bzw. antun. Und das aus dem Mund von Top-Sportlern bei einem Langdistanz-Triathlon! Offenbar schätzt man die eigenen Leistungen geringer ein als die in anderen Extrem-Sportarten. Nach dem Motto „Einen Marathon laufen ist ja ok, aber einen Marathon paddeln, das ist Wahnsinn!“ Wie sagte der Challenge-Sieger von 2013, Dirk Bockel, zu mir in Roth: „Ein bisschen verrückt bist du ja schon, oder?“ Mir fiel irgendwie keine Antwort darauf ein…

Marathon Nr. 8: Mozart-Marathon (Trail Run, 42 KM, 1800 HM, 15.6.2019, St. Gilgen-Salzburg)

Es ist der Marathon, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Allein wegen der Höhenmeter und dann kam noch die Hitze dazu: 30 Grad, teilweise blieben meine Leki-Stöcke auf den wenigen Asphalt-Passagen im schmelzenden Teer stecken! Los ging`s am Wolfgangsee im Salzburger Land. Gleich nach 2 KM der erste krasse Anstieg mit 450 Höhenmetern.

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Nach den ersten Almwiesen ging es in den Wald. Da war es zwar kühler, aber noch steiler.

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Rauf und wieder runter zum nächsten See, dem Fuschlsee. So haben sich deftige trails und flache Uferwege schön abgewechselt – zumindest auf der ersten Hälfte des Marathons.

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Die zweite Hälfte war dann fast nur noch bergig. Zur Mittagszeit war die Hitze am größten, keine Wolke am Himmel. Wie meinte eine Mit-Läuferin: „Ich fühle mich total paniert“ – quasi Salzburger statt Wiener Schnitzel. Wir haben jede Möglichkeit zum Erfrischen genutzt.

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Je näher wir an Salzburg heran liefen und je müder die Beine wurden, um so herausfordernder wurde die Strecke. Da hieß es voll konzentriert bleiben, keinen falschen Schritt machen!

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Den Höhepunkt haben sich die Veranstalter für den Schluss aufgehoben. Nach 40 KM Trailrun warteten 600 Stufen hoch zum Kapuzinerberg und ähnlich viele Stufen runter ins Stadtzentrum. Kleine Zwiesprache mit der Oberschenkelmuskulatur:

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Nach diesem kurzen Streik hat sie dann doch weitergemacht. Und mich nach 6 Stunden 56 Minuten über den roten Teppich zum Ziel auf dem Kapitelplatz getragen. Danke an meine Lokomotive Simone, die mich über die Berge gezogen hat!

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Eine Minute nach unserem Zieleinlauf begann ein heftiges Gewitter mit Hagel. Zu der Zeit und noch bis morgens um 2 Uhr (!) waren die Mozart100 – Ultraläufer unterwegs. Sie mussten 109 KM mit 5000 Höhenmetern bewältigen, Einige liefen über 20 Stunden durch die Berge. Einfach Wahnsinn! Im Vergleich dazu war das, was ich an diesem Tag geleistet habe, Schnullibulli.

Sehr gefreut habe ich mich, zum ersten Mal im berühmten Mohrenwirt wohnen zu können. Die Mitarbeiter in dem legendären Triathlon-Hotel in Fuschl lesen Sportlern jeden Wunsch von den Augen ab. Weil Jakob Schmidlechner und seine Angestellten selbst alle Athleten sind. Danke Jaki!

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Nach diesem Block von 4 Marathons in 6 Wochen freue ich mich jetzt auf einen Monat ohne Wettkampf. Dann der Endspurt mit Rennrad und Schwimmen. Ich kann den Horizont sehen…

 

 

 

 

Marathon Nr. 7: Bodensee Kanu-Marathon (42 KM,1.6.2019)

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copyright: Andreas Mattes

Yellow submarine, das bin ich. Na ja, untergegangen bin ich Gott sei Dank nur gefühlt. „6 Stunden würde ich mich niemals in ein Kajak setzen“, sagte mir die Marathonsiegerin Simone Junker im Ziel. Sie hat gut reden, hat nicht mal 4 Stunden gebraucht. Aber ich würde mich auch nicht 6 Stunden in ein Kajak setzen 🙂 Nach 5 Stunden 59 überquerte ich die Ziellinie am Strandbad in Iznang.

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copyright: Andreas Mattes

Knochenarbeit, sage ich nur. Auf der Olympischen Regattastrecke in München-Oberschleißheim und am Achensee hatte ich zwei- bis dreistündige Trainingseinheiten gemacht. Aber es ist wie bei jedem Marathon: bei KM 30 geht der Spaß erst richtig los. Von den erfahrenen Kanuten hatte ich mir vorab ein paar Tipps geholt. Wie man das Paddel einsticht (so weit vorne wie möglich), wie man es durchzieht (komplettes Blatt eingetaucht und bis auf Höhe der Hüfte), und dass man den Oberkörper nach rechts und links dreht. Durch diese Körperrotation schiebt man das Kajak quasi am eingesteckten Paddel vorbei, nutzt dabei die großen starken Rumpfmuskeln und schont die anfälligen Schulter – und Armmuskeln.

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copyright: Andreas Mattes

Was das Boot angeht, habe ich mich in den Wochen davor auch mal am Renn-Kajak versucht. Die Versuche dauerten maximal eine halbe Minute. Etwa ein Jahr müsste man regelmäßig üben, bis man so ein wackliges Ding überhaupt mal balancieren kann. Im nächsten Leben dann…deshalb bin ich auf das Modell Seekajak umgestiegen, das mir die Veranstalter des Bodensee Kanu-Marathons freundlicherweise geliehen haben:

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Mein gelber „Dampfer“: bei weitem nicht so leicht, lang und stromlinienförmig wie die Renn-Kajaks, dafür viel komfortabler und sicherer. Nächster Tipp der Profis: „auf der Welle fahren!“ Ähnlich wie das Windschatten-Radeln oder Wasserschatten-Schwimmen spart man also viel Energie, indem man hinter einem anderen Boot fährt. Hab ich denn auch versucht, nur waren die alle so schnell! Einen wichtigen Experten-Tipp wollte mir irgendwie keiner geben: was mache ich eigentlich, wenn ich während dieser 5-6 Stunden mal für kleine Kormorane muss? „Zusammenzwicken“, sagten die einen, „ja, das ist ein Problem“ wichen die anderen geniert aus, „einfach laufen lassen“, meinte eine schnelle Frau. Meine Lösung: die Pipi-Tüte! Gefrierbeutel oder Ähnliches mitnehmen, im Bedarfsfall den Spritzschutz des Kajaks öffnen…jedenfalls ersparte ich mir mit dem Tüten-Trick, am Ufer anlegen zu müssen, was mich noch viel mehr Zeit gekostet hätte.

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copyright: Andreas Mattes

Die Marathon-Strecke verlief von Iznang auf dem sogenannten Untersee zur Insel Reichenau, hinten rum um die Insel, dann rüber am Schweizer Ufer entlang bis auf Höhe von Öhningen und dann wieder nach Iznang. Von der Atmosphäre und dem Naturerlebnis her geht`​s kaum schöner als hier am westlichen Bodensee. Eine sehr familiäre Veranstaltung, die meisten Kanuten übernachten am Strandbad im Wohnwagen oder Zelt, grillen große Steaks, zapfen lecker Fassbier an. Trotzdem ist es eine sportliche Höchstleistung, 42 KM zu paddeln, egal in welchem Bootstyp und in welchem Tempo. Wer das mal ausprobieren möchte, ist in Iznang und Umgebung bestens aufgehoben. Bei den ansässigen Bootsverleihen und Kanuclubs kann man sich Kajaks, SUP`s etc. ausleihen. Und wer nicht gleich einen Marathon macht, bliebt gewiss auch von solchen Blasen an den Händen verschont:

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